27. Österreichischer Stahlbautag, 15. und 16.10.2009, Wien

230 Teilnehmer sind dem Ruf des Österreichischen Stahlbauverbandes zu dieser Präsentation aktueller Leistungsfähigkeit unserer Stahlbauer, Architekten und Planer gefolgt

Präsident Peter ZEMAN konnte eine erfreulich große Teilnehmerrunde aus Öster­reich, Deutschland, Slowakei, Tschechien und Ungarn begrüßen. Die international bekannte Reputation unserer Stahlbauer, die durchaus vorhandenen Probleme in traditionellen „Stahlbauländern" und gleichzeitig die hoffnungsvolle Sicht auf neu entstehende Märkte in anderen Kontinenten standen im Mittelpunkt seiner Aus­führungen. Stolz zeigt er sich auch auf die Leistungen des ÖSTV in Bezug auf eine wirksame Unterstützung unserer heimischen Betriebe in Zusammenhang mit der Einführung internationaler Regelwerke für den Stahlbau. Diesbezüglich wird der Stahlbauverband in Kürze praxisorientierte Richtlinien und Seminare an­bieten. ZEMAN nutzt die Gelegenheit, sich bei allen Beteiligten, die großteils im Saal anwesend sind, herzlich zu bedanken. Veronique BAES-DEHAN, Geschäfts­führerin der  European Convention for Constructional Steelwork in Brüssel  über­brachte die Grüsse des Internationalen Stahlbauverbandes, Stadträtin Isabella LEEB übernahm die Eröffnung der Tagung und wies dabei im Besonderen auf die derzeit enormen Probleme in Zusammenhang mit einer dringend notwenigen qualifizierten Lehrlingsausbildung einerseits und der oft völlig ungenügend vor­handenen Schulkenntnisse im Pflichtschulbereich andererseits hin.


 

Peter GRUBER ist es in seinem Festvortrag gelungen, sein Wunschziel „Mit Freude zum Erfolg" durchaus überzeugend an die Tagungsteilnehmer zu ver­mitteln - die rege Beteiligung des Publikums beweisen dies.

Beginnend mit Fachvorträgen aus den Bereichen Stahl-Architektur folgten nun die einzelnen Beiträge auch international tätiger Experten Architekt Peter WAHL führte uns in die internationale Welt der Grand Prix Auto­rennen und die Ansprüche, die Bauherren an das Know-how des Architekten dabei stellen- Stahlbau macht so etwas möglich! Eindrucksvolle Bilder von neu geplanten Rennstrecken wie auch von traditionellen, aber mit der Kunst des Architekten revitalisierten Anlagen rundeten den spannenden Vortrag ab.

Johann SISCHKA - bei österreichischen Stahlbau-Events nicht mehr wegzu­denken - zeigte internationale Großprojekte in „Pole-Position" wie das Yas Island Marina Hotel in Abu Dhabi. Das schiefste Gebäude der Welt, das ADNEC/Capital Gate in unmittelbarer Nachbarschaft zeigt ebenfalls, welche Möglichkeiten dem modernen Stahl-/Glasbau heute geboten werden und nicht zuletzt, was öster­reichische Unternehmen bei wirklichen „Megabauten" in den arabischen Ländern, wo nur besonders renommierte Unternehmen und Architekten tätig werden, können.

 

Weitere Schwerpunkte des Stahlbautages wurden durch Berichte über öster­reichische Photovoltaik-Technik gesetzt, wobei insbesondere das hohe Zukunfts­potential dieser Form der erneuerbaren Energiegewinnung im Mittelpunkt des Interesses stand. Der Vortragende Bernhard KOLOUCH zeigte damit auch den Bedarf an hochpräzisen und sehr flexibel ausgelegten Stahlkonstruktionen auf.

Die neue Auftraggeberhaftung nach dem ASVG mag für Techniker wohl ein trockenes Thema sein, umso wichtiger ist aber aktuelles Wissen über die in jüngster Zeit erfolgten Neuerungen. Christoph WIESINGER ist es gelungen, über­zeugend und durchaus auch für Laien verständlich sein gediegenes Know-how zu vermitteln. Univ.-Prof. Richard GREINER führte uns in die höheren Gefilde der Forschung und Entwicklung an seinem Universitätsinstitut in Graz. Sein Vortrag zum Thema: „Tragverhalten von Biegeträgern mit Gurtdickensprüngen" brachte für den Ingenieur und Planer sicher wertvolle neue Erkenntnisse für die praktische Ausführung von Tragwerkskomponenten aus Stahl.

Ein Bauwerk der besonderen Art ist wohl das „Hotel Praterstraße 1" und ins­besondere seine Tragkonstruktion! Christian SALZER und Walter BREITFUSS setzten in gekonnter Weise die stahlbautechnischen Leckerbissen aus Fertigung und insbesondere der Montage beeindruckend in Szene. Das Heben einer 1.600 Tonnen schweren Konstruktion in 30 Meter Höhe und das Verschweißen von Blechdicken bis 100 mm vor Ort sprengt wohl die Grenzen des sonst üblichen Mehrgeschoßbaues.

Brücken verbinden Völker - und kommen bei österreichischen Stahlbautagen nie zu kurz! Hannes KARI zeigte uns anschaulich, dass die Architektur sukzessive immer stärker auch in den Eisenbahnbrückenbau Einzug hält. Am Beispiel zahl­reicher revitalisierter und neu gebauter Brücken für die ÖBB wurde transparent, dass innovative Technologien und Materialkombinationen heute ein wesentlicher Bestandteil des Brückenbaues geworden sind. Günther DORRER zeigte uns um­fassend die Errichtung der neuen ÖBB-Donaubrücke in Tulln. Dabei sollte einer­seits das traditionelle Fachwerksbild neu entstehen und andererseits den An­sprüchen des modernen Schienenverkehrs Genüge getan werden. Dies ist wohl dabei bestens gelungen; der Montageablauf und das Einschwimmen der Trag­werkskomponenten mit entsprechender Publikumsbeteilung gehören untrennbar dazu!

Die Auswirkungen der neuen ÖNORM B 2110 liegt seit 1. Jänner in einer neuen Ausgabe vor und hat teilweise erhebliche Änderungen aufzuweisen. Univ.-Prof. Andres KROPIK ist es wieder einmal gelungen, in seinem faszinierenden Vortrag die Knackpunkte und Stolpersteine der neuen Fassung sehr anschaulich heraus­zuarbeiten. Für unsere Betriebe ein besonders wichtiger und wertvoller Wissens­transfer!

Dass für den Stahlbau durch die Internationalisierung einschlägiger Regelwerke für Planung und Ausführung vieles in Bewegung geraten ist, ist unbestritten. Die Ausmaße der dringend notwendig gewordenen Neu-Justierungen unserer Be­triebe in qualitätsichernden Bereichen sind jedoch vor allem für KMU's enorm! Mit Franz STADLER hat hier ein wirklicher Profi ein umfassendes Bild über die un­zähligen Neuerungen und die zukünftigen Maßnahmen gezeichnet, die sowohl von Auftraggebern, Planern  und nicht zuletzt den Herstellbetrieben in relativ kurzer Zeit zu setzen sind.

Die drei Universitätsprofessoren Josef FINK (Wien), Richard GREINER (Graz) und Gerhard LENER (Innsbruck) führten langjährig routiniert durch die Fachvorträge und übernahmen auch die persönliche Vorstellung der vortragenden Experten.

2. Österreichischer Stahlbaupreis:

Der Österreichische Stahlbautag 2009 in der Bundeshauptstadt Wien war ein geeigneter Rahmen für die neuerliche Verleihung eines Österreichischen Stahl­baupreises. Anders als bei internationalen Auszeichnungen, wie beispielsweise dem European Steel Award, sollen dabei aktuelle Leistungen österreichischer Stahlbauer, Planer, Architekten, Ingenieurkonsulenten und darüber hinaus aller mit dem Stahlbau in Österreich befassten Mitglieder des Österreichischen Stahl­bauverbandes einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Zugelassen wurden dabei Stahlbauprojekte, die in den letzten beiden Jahren in Österreich errichtet wurden, die Anzahl der Einreichungen je Mitglied war beliebig. Es war das erklärte Ziel des Stahlbauverbandes, die Prämierung dieses Öster­reichischen Stahlbaupreises einem breit gefächerten Fachpublikum zu über­tragen. Jeder am Stahlbautag 2009 registrierte offizielle Teilnehmer hatte die Möglichkeit, persönlich mitzubestimmen, welches Unternehmen bzw. Einzel­mitglied des ÖSTV den 1., 2. und 3. Preis erhalten wird!

Das Layout des zugehörigen Kataloges wurde bewusst schlicht gehalten, die grafische Gestaltung blieb dem aktiven Teil­nehmer weitgehend selbst überlassen, der zeitliche Aufwand für den Beteiligten war auf ein Minimum begrenzt - die Motivation zum Mitmachen hatte hier klar Priorität vor der künstlerischer Gestaltung. (Dieser Katalog wird gleichzeitig zu einer aktuellen Leistungsschau des österreichischen Stahlbaues und offizielle Verbandsbroschüre. Diese Broschüre wird auch im Internet http://www.stahlbauverband.at/ und damit international frei zugänglich positioniert.)


 

Die Preisverleihung erfolgte am 16. Oktober 2009 zu Beginn des 2. Vortragstages zum Öster­reichischen Stahlbautag durch den Vizepräsidenten des Öster­reichischen Stahlbauverbandes, Dr. Thomas BERR, persönlich. 135 Teilnehmer haben gültige  Stimmen abgegeben und dabei als klaren Sieger das Projekt „Haus für Musik und Musiktheater MUMUTH Graz" der Peter Mandl ZT GmbH ge­wählt. Der 2. Preis ging an das Projekt „ÖBB Donaubrücke Tulln" der Firma MCE Stahl- und Maschinenbau GmbH & Co. Den 3. Preis erhielt das Projekt „Hotel­hochhaus und Einkaufszentrum" des Unternehmens Zeman & Co GmbH.

Die Gewinner erhalten entsprechende Urkunden, der Gewinner des 1. Preises wird sich und seine Leistung nachfolgend auf Kosten des Verbandes noch gesondert in einem anerkannten Wirtschaftsmedium selbst präsentieren können.

Vizepräsident BERR bedankte sich im Namen des Verbandes bei allen aktiv be­teiligten Mitgliedern herzlich und gratuliert den Gewinnern vor großem Fach­publikum!

Fachaussteller:
Trotz der sehr eingeschränkten Platzverhältnisse haben insgesamt 17 Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen den Tagungsteilnehmern eindrucksvoll zeigen können. So manches „Anbahnungsgespräch" mit künftigen Kunden könnte so initiiert worden sein - es ist den betreffenden Firmen jedenfalls zu wünschen!

Begleitprogramm:
Die Rahmenprogramme, die zu einem Branchentreff der Stahlbauer auch in Österreich unbedingt dazugehören, führten am Donnerstag in das großzügig renovierte Festschloss Hof und im Anschluss an den Mittagstisch in das Jagd­schloss Eckartsau, das letzte Refugium des letzten österreichischen Kaiserpaares. Beide Destinationen konnten unter kundiger Führung trotz des wirklich schlechten Wetters ausführlich besichtigt werden.

Am Freitag war Kunst aus verschiedenen Epochen angesagt! Beginnend mit der sakralen Kunst im Stift Klosterneuburg aus der Zeit der Babenberger bis hin zu den bedeutendsten Sammlungen moderner österreichischer Kunst und einer aktuellen „Munch-Sonderausstellung" in der Sammlung Leopold war der künstlerische Bogen gespannt.

Am Donnerstag trafen sich alle Tagungsteilnehmer und Begleiter zu einem „geselligen Beisammensein" im Rathauskeller des Wiener Rathhauses. Bei teils deftigem Menüangebot, Wiener Weinen und Heurigenmusik konnte so manche fröhliche Konversation quer über die Tische hinweg gepflegt werden.


 

Am Freitag traf man sich dann zum „Galaabend" im Palais FERSTEL, wo auch den Damen die nicht an der Tagung selbst teilgenommen haben, diese beein­druckenden Räume zugänglich waren. Mit einem ausgezeichneten 5-gängigen Menü, österreichischen Spitzenweinen und einer dezenten musikalischen Be­gleitung durch ein hervorragendes Damenorchester war ein eindrucksvolles Ende des Stahlbautages 2009 gesichert.

Der Österreichische Stahlbauverband (ÖSTV) vertritt ca. 70 Mitglieder aus allen stahlbaunahen Bereichen gegenüber dem Gesetzgeber, den Behörden und anderen Institutionen mit dem Ziel, den Stahlbau zu fördern. Experten be­arbeiten in technischen und wirtschaftsorientierten Gremien aktiv aktuelle Themen des Stahlbaus. Weiters werden zahlreiche Richtlinien und Broschüren für den Stahlbau publiziert. 




Rückfragehinweis:
Österreichischer Stahlbauverband (ÖSTV)

Techn. Rat Ing. Karl Felbermayer | Telefon 01/503 94 74 | E-Mail stahlbau@fmmi.at